JH MMXVII

Johann Hendrix

Modulationen

Residenzschloss Detmold, Lippische Gesellschaft für Kunst, 17. Juni - 12. August 2007


Farbflächen als Fenster zur Welt

Johann Hendrix zeigt Gemälde im Detmolder Schloss

Lippische Landes-Zeitung Nr. 139 (blu), Dienstag, 19. Juni 2007

Einerseits wirken sie wie tragende Balken einer äußerst klaren und gradlinigen Bildkomposition, andererseits wie Fenster in andere Zeiten, andere Disziplinen: Die Farbfelder, aus denen Johann Hendrix seine Motive zusammensetzt und mit denen er sie gleichzeitig zerlegt, zergliedert, sind ein unverwechselbares Merkmal seiner Malerei. Bis zum 12. August ist seine Ausstellung „Modulationen“ im Detmolder Schloss zu sehen. Hendrix, der 1957 geboren ist und in Duisburg lebt und arbeitet, zeigt im Schloss – präsentiert von der Lippischen Gesellschaft für Kunst – Landschaften, Porträts und Stillleben. Burkhard Leismann, Direktor des Kunst-Museums Ahlen, der in die Ausstellung einführte, attestierte Hendrix „ein großes Maß an Authentizität und Eigenständigkeit“: „Seine Bilder sind einsichtige und ehrliche Dokumente des täglichen Künstlerkampfes zwischen Ratio und Emotion, zwischen Abstraktion und Expression.“ Johann Hendrix malt, was er sieht, was er wahrnimmt. Wenn er Landschaften aufs Bild bannt, dann dichtet er nichts hinzu. Aber: Er verändert Form und Farbe, so dass Wohlklang entsteht, Harmonie. Nicht zufällig hat er als Titel für die Ausstellung einen Begriff aus der Musik gewählt, einer Kunstform, die er liebt: Auch Hendrix komponiert, „seine Farbflächen und Motive stehen in Korrelation zueinander, sie fügen sich zur Einheit“ – so formuliert es Burkhard Leismann. Das ist ein weiteres Merkmal der Arbeiten von Johann Hendrix: seine ganz eigene Farbgebung. Die ist je nach Motiv unterschiedlich, fällt bei den mediterranen Landschaften warm und erdig aus, bei den Landschaftsmotiven vom Niederrhein, auch den Bildern eines Parks, eines Friedhofs hingegen dominieren die kühlen Töne. In Kombination mit den Formen, den Flächen geht dieser „Klang“ jedoch weit über die reine Farbgebung hinaus, es ist vielmehr eine Weltsicht, die darin mitschwingt. Die Sicht des Malers auf sein Motiv, etwa die gegenständliche Landschaft, abstrahiert durch die geometrischen Zergliederungen. In ihnen erkennt Leismann nicht nur Bezüge auf formelle künstlerische Prinzipien des 20. Jahrhundert, sondern auch auf die Malerei des späten Mittelalters. Sie geben den Blick frei auf historische, aber auch auf religiöse und philosophische Bezüge, mit denen sich Hendrix befasst. Das Zerlegen in Streifen und Flächen eröffnet dem Betrachter neue Perspektiven, es entstehen unterschiedliche Bildebenen: meisterliches Stilmittel eines ausgereiften Kompositionsspiels. Und wenn Hendrix diese geometrische Zergliederung auf Porträts überträgt, dann sind sie es , die ihnen Volumen und Tiefgang, den porträtierten Menschen Seele verleihen. Und auch sie weisen einen Bezug zur Musik auf, strahlen eine geradezu rhythmische Qualität aus.